Monday, 17. november 2008 1 17 /11 /Nov. /2008 12:23

Knapp zwei Wochen ist es nun her. Genau genommen 17 Tage und 10 Stunden. Es ist Donnerstagmorgen 9 Uhr. Ich sitze am Tisch und frühstücke, lese die Tageszeitung und höre das Morgenprogramm im Radio. Die Zeitung ist voll mit Warnungen über den bevorstehenden Sturm „Kyril“. Es soll der stärkste und größte Sturm seit Jahrzehnten über Deutschland werden. Gegen Abend soll es in der City soweit sein. Doch um 9 Uhr morgens mieselt es nur ein bisschen und es ist noch nichts zu ahnen, wie stürmisch es später wohl sein wird. Ich schicke David eine Sms um zu wissen, ob er wirklich mit dem Zug nach Hannover fahren will. Ich mache mir ein bisschen Sorgen, weil ich nicht genau weiß, ob es keine Auswirkungen auf die Bahnfahrt hat. David und ich sind seit dem Kuss an Silvester um Punkt Null zusammen. Wir hatten noch eine feucht fröhliche Feier und sind schließlich morgens um 6 in mein Bett gelandet. Von da an, haben wir uns jeden Tag gesehen. Er rief mich mindestens dreimal am Tag an. Ich genoss es, dass er so lieb zu mir war. Nach langer Zeit war jemand da, der sich um mich bemühte und großes Interesse an mir zeigte. Dennoch musste ich ständig an meinen Traummann denken. Ich habe ihn nicht wieder gesehen, aber er geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Vielleicht hatte ich mich deswegen so auf eine Liaison mit David gestürzt. Doch irgendwie hatte ich an diesem Morgen ein komisches Gefühl. Ich wusste nicht genau was es war. Ich konnte dieses Gefühl nicht einordnen. Ich wusste nur, es war da.

Ich trank meinen Kaffee leer und machte mich fertig für einen Termin beim Arbeitsamt. Oh nein, neuerdings heißt es ja jetzt „Agentur für Arbeit“. Ob mein Sachbearbeiter dadurch freundlicher wird und für mich einen Job hat? Wir werden sehen. Als ich auf dem Heimweg wieder war, war ich beim Amt mit neuem Namen, aber einen Job hatten sie trotzdem nicht.

Etwas deprimiert zu Hause angekommen ist der erste Gang zu meinem Handy. Ich schaute ob ich eine Antwort bekommen habe. Immerhin war es nun sechs Stunden her, dass ich David schrieb. Sonst dauerte es höchstens eine Minute und ich bekam einen Anruf. Doch diesmal war nix. Ich war etwas irritiert und hoffte, dass nix passiert war.

Mittlerweile ist es 17 Uhr. Der Wind wird immer stärker und es fängt an zu regnen. Es pfeift regelrecht durch die Fenster. Im Radio kommen bereits Durchsagen, dass man ab jetzt lieber zu Hause bleiben sollte. Man sollte nicht mehr vor die Tür gehen bis der Sturm sich gelegt hat. Ich machte mir immer größere Sorgen, weil sich David immer noch nicht gemeldet hat. Mir ließ das keine Ruhe. Ich griff zum Handy und rief an. Er ging ran und sagte nur dass es ihm gut geht, aber im Moment nicht viel sprechen könnte. Die Verbindung wurde immer schlechter und ich fragte wo er denn jetzt sei. Er sagte nur: „Geht dich nix an.“ Kaum ausgesprochen war die Verbindung zu Ende. Hat er aufgelegt? Nein, der Empfang war gestört. Der Wind wurde mittlerweile auch immer heftiger. Aber was hat er gerade zu mir gesagt? Es geht mich nichts an wo er sei? Was hat das zu bedeuten? Mein komisches Gefühl vom Morgen kam zurück. Ich glaub, es war vorbei. Hat er vielleicht gemerkt, dass ich mich nicht ehrlich auf ihn einlassen konnte? Hat er gemerkt, dass ich eigentlich jemand anders wollte? Dass ich nur an meinen Traummann denke?

Ich legte mich auf die Couch und hörte den Meldungen aus dem Radio über den Sturm zu, während ich darüber nachdachte, was David zu mir gesagt hat. Irgendwann schlief ich ein und wurde circa sechs Stunden später wieder wach. Es war still, es war nix zu hören. Der Sturm war vorbei. Aber der Gedanke an David und das was er sagte war noch da. Doch ich empfand es nicht mehr als allzu schlimm. Ich hatte mal wieder geträumt. Geträumt von meinem Traummann. Immer und immer den gleichen Traum. Immer und immer wieder nimmt mein Traummann mich Silvester an die Hand, gehen hoch zur Sparrenburg, steigen auf den Turm, blicken uns an, küssen uns leidenschaftlich während das Feuerwerk über unseren Köpfen wütet.

Ich lächelte und der Gedanke an David und was er sagte war verschwunden. Ist es Zufall? Will es das Schicksal so? Wer weiß wie es weiter geht. Ich muss doch erstmal meinen Traummann wieder sehen, geschweige denn irgendwie versuchen ihn ausfindig zu machen.

Drei weitere Wochen vergehen. Es war einer der langweiligen Abende wo man stundenlang vor dem Internet saß und mit irgendwelchen Leuten aus aller Welt gechattet hat. Ich entdeckte einen neuen Schwulenchat und meldete mich dort an. Ich lud ein Foto hoch und hatte nun ein Profil auf dieser Seite. Vielleicht waren ja hier nette Leute, die man mal kennen lernen kann. Plötzlich ging ein Rrrring. Rrrring? Oh, das ist die Meldung wenn man eine Message bakam. Na, das ging aber schnell. Kaum fünf Minuten hier angemeldet und schon eine Nachricht. Ich öffnete sie und las den Text: „Hallo Baby, kannst du Dich an mich erinnern?“ Ich öffnete das Profil, sah das Foto und konnte es kaum glauben. Er war es. Mein Traummann. Er hat mich angeschrieben, er hat mich gefunden. Ich sah mir sein Profil etwas genauer an und mein erster Blick war auf den Beziehungsstatus gerichtet. Single. Es stand dort Single. Yeah, der Hochzeit stand nun nix mehr im Wege. Ich antwortete ihm: „Aber sicher. Der Duft von Jean-Paul Gauthier an Dir habe ich heute noch in der Nase. Wie geht’s Dir?“

Wir schrieben den ganzen Abend und mit jedem Satz, mit jedem Wort war ich mehr und mehr begeistert von ihm.

von mistermacb - veröffentlicht in: Traummann
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